Größter Krebschirurgie-Kongress in Österreich

12.11.2018: Die chirurgische Abteilung am städtischen Krankenhaus veranstaltete gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgische Onkologie (ACO-ASSO) in St. Wolfgang im Salzkammergut einen dreitägigen Kongress zum Thema Darmkrebs, in der Medizin als kolorektales Karzinom bezeichnet. Mit rund 240 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, über 40 Fachvorträgen und der aktiven Teilnahme von fünf in- und ausländischen Gesellschaften war die Veranstaltung, die zugleich die 35. Jahrestagung der ACO-ASSO war, der größte Krebschirurgie-Kongress in Österreich in diesem Jahr. „Wissenschaft ist Teil der ärztlichen Tätigkeit. Ich bin stolz, dass unsere chirurgische Abteilung federführend den Austausch von Wissen am aktuellsten Stand der Wissenschaft und Forschung auf einem solchen Niveau forciert. Mit diesem gebündelten Fachwissen ist unsere chirurgische Abteilung die Anlaufstelle bei Erkrankungen des Verdauungstrakts“, so Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann.

Größter Krebschirurgie-Kongress in Österreich © Wolfgang Stadler

Primar Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Matthias Zitt organisierte als Tagungspräsident mit seiner Abteilung den dreitägigen Kongress. © Lisa Mathis

HIPEC-Methode kann eine Chance sein. © Lisa Mathis

Rund eine Million Mal wird weltweit die Diagnose eines kolorektalen Karzinoms gestellt. Der Überbegriff fasst die bösartigen Tumore des Dickdarms (Kolonkarzinom) und des Mastdarms (Rektumkarzinom) zusammen. Rund 3.500 Menschen erkranken allein in Österreich an dieser Tumorart, wobei Männer und Frauen nahezu gleich häufig betroffen sind. Überwiegend tritt das kolorektale Karzinom erst im höheren Lebensalter auf, das Durchschnittsalter liegt bei 70 Jahren. Bei der Erstellung der Diagnose sowie bei der Therapie sind unterschiedliche Fachdisziplinen beteiligt, das macht diesen Austausch so wesentlich. „Das kolorektale Karzinom ist sicherlich ein Paradebeispiel für eine gelebte Multidisziplinarität im klinischen Alltag – in allen Stadien der Erkrankung“, betont Tagungspräsident Prof. Dr. Matthias Zitt, der als Primar die Chirurgie am Krankenhaus Dornbirn leitet, „es ist auch einer unserer Schwerpunkte in der Abteilung.“ Nationale wie internationale Expertinnen und Experten nutzen an den drei Tagen die Gelegenheit, sich über die dritthäufigste Krebserkrankung auszutauschen. Sie diskutierten über Therapiestrategien sowie Entscheidungen vor, während und nach der Operation, aber auch über „Prävention und Genetik“. Vorsorgekoloskopien in den letzten Jahren konnten die Neuerkrankungen um 20 Prozent reduzieren. Bei der Darmspiegelung kann bei Bedarf der sogenannte Polyp (Adenom), eine noch gutartige Wucherung, entfernt werden. Etwa 90 Prozent der bösartigen Darmerkrankungen nehmen ihren Ausgang von einem solchen Polypen. Die Entwicklung vom Polypen zum Karzinom ist langsam und dauert meistens einige Jahre. Wird in dieser Zeit der Polyp bei einer Darmspiegelung entfernt, kann der Krebs verhindert werden. Darmkrebs in einem sehr frühen Stadium kann in erfahrenen Händen unter Einhaltung bestimmter Kriterien auch rein endoskopisch, also nur mittels Darmspiegelung behandelt werden. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der großen chirurgischen Endoskopie in Verbindung mit der Tumor- und Dickdarmchirurgie im Krankenhaus Dornbirn.

Blick Richtung Zukunft
Dabei setzt der Leiter der Chirurgie am Krankenhaus der Stadt Dornbirn, der bis 2019 als Präsident die Österreichische Gesellschaft für Chirurgische Onkologie (ACO-ASSO) vertritt, auf zwei Schwerpunkte: „Zum einen auf die ständige Erneuerung des chirurgischen Wissens, um dem sogenannten ,best patient care‘ gerecht zu werden. Zum anderen auf die Fähigkeit, Interdisziplinarität zu kennen, zu verstehen und vor allem zu leben.“ So gelang es bei der 35. Jahrestagung, die zugleich als 137. Fortbildungsseminar der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie diente, gemeinsam mit den Expertinnen und Experten auch mehrere wissenschaftliche Gesellschaften wie beispielsweise die „European Federation for coloRectal Cancer (EFR)“ und die „Arbeitsgemeinschaft für Coloproktologie (ACP)“ – also hohe Expertisen in und um Österreich zu bündeln. „Sämtliche Themenblöcke wurden so gestaltet, dass sie auch für die Aus- und Fortbildung unseres chirurgischen Nachwuchses von Relevanz sind“, so Matthias Zitt, der als Leiter der Chirurgie Dornbirn gemeinsam mit seinem Team und den Partnerdisziplinen sämtliche chirurgische Therapien am aktuellen Wissenstand anwendet.

HIPEC-Methode kann Chance sein

Dabei ist laut Zitt die korrekte Stadien-gerechte Behandlung von essentieller Bedeutung für den Behandlungserfolg der Patientinnen und Patienten mit der Diagnose kolorektales Karzinom. Besonders individuell abgestimmt muss die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium – vor allem wenn der Darmkrebs bereits Metastasen gesetzt – erfolgen. Dies darf nur in Abstimmung mit allen an einer Krebsbehandlung involvierten Fachdisziplinen geschehen. Als zusätzliche Therapie wurde bereits vor drei Jahren die HIPEC-Methode in Dornbirn eingeführt. Sie ist eine Behandlungsoption bei Bauchfellkrebs, der auch Ausdruck eines fortgeschrittenen Krebsleidens im Rahmen einer Darmkrebserkrankung sein kann. „Die HIPEC-Methode kann eine Chance sein, wenn sich auf Grund der Befunde ein Vorteil für die Patientinnen und Patienten ergibt“, betont der Leiter der Chirurgie. Die Entscheidung, ob operiert werden soll oder nicht, ist selbst für ihn als Spezialisten keine einfache, aber alle potentiellen Fälle werden nach ganz exakten Kriterien geprüft. „Seit drei Jahren gehört Dornbirn zu jenen neun Zentren in Österreich, in denen diese Therapie zum Einsatz kommt. Das ist nur möglich, weil am Krankenhaus Dornbirn aus jedem Fachgebiet Experten mit langjähriger Erfahrung hervorragend zusammenarbeiten“, so Krankenhausreferent Vizebürgermeister Mag. Martin Ruepp.